Mittwoch, 6. Januar 2016

Bacchetta Giro 26 ATT Update (4000 KM mit dem Bacchetta)

Es gibt Entscheidungen im Leben welche man bereut und welche die man genau so wieder treffen würde. Die Entscheidung für den Kauf des Bacchetta fällt unter die Kategorie der Entscheidungen die man nicht bereut und wieder so treffen würde. Sicher, es war keine Vernunft´s - Entscheidung das Bacchetta zu nehmen, es gibt “vernünftigere” oder praktischere Liegeräder, aber das Bacchetta Giro vereint auf wunderbare Weise die Unvernunft eines “Rasse - Sportlers” mit den praktischen Eigenschaften eines Alltags-Rades.

Bacchetta fahren ist Emotion, ist Freude und Erlebnis. Es macht einfach unendlich viel Spass mit dem Giro Unterwegs zu sein. Schnelles Schalten, enge Kurven und eine wunderbare Beschleunigung. Und wie schon im Test beschrieben ist die Bergfähigkeit immer wieder eine Freude. Mit keinem anderen Rad hat mir Berge erklimme je mehr Spass gemacht.

Klar, es ist nicht auf Gepäck optimiert, wobei es aber mit den genialen Liegeradtaschen der Fa. Radical Design aus den Niederlande trotzdem sehr gut geht, merkt man aber dann doch, die “Stick” -Bauweise fordert ihren Tribut. Mit vollgeladenen Taschen verliert das Bacchetta etwas an Stabilität und das sonst so souveräne Fahrverhalten leidet etwas. Mit zwei Mal 20 kg in den Seitentaschen am Sitz und 10 Kg Last in der Heck - Tasche werden Geschwindigkeiten oberhalb der 60 Km/h schon abenteuerlich. Der Rahmen beginnt dann irgendwann in sich zu schwingen und man beginnt etwas zu schlingern. Nicht schlimm, wenn man es weiß und sich drauf einstellt, aber halt nicht optimal. Unbeladen oder mit leichtem Gepäck bleibt das Giro selbst bei Tal-Fahrten über der 80 Km/h Grenze stabil und sicher, Kurven werden ohne große Geschwindigkeitsrücknahme gemeistert.

mit Seitentaschen L und Toptasche Extended 30L


Das Bacchetta Giro 26 ATT ist ein Gran - Turismo wie man es sich wünscht. Zwar sportlich genug, wenn auch nicht so wie das Bacchetta Corsa, aber im Alltag auch “fast” jeder Aufgabe gewachsen. Selbst mit dem “neuen” Bob Yak konnte das Bacchetta Freundschaft schließen, aber darüber an anderer Stelle mehr.

Licht und Schatten liegen immer eng beieinander, das ist auch hier nicht anders. Ein großes Manko aus meiner Sicht sind die, für ein schnelles Rad dieses Kalibers unterdimensionierten Bremsen. Die Gabel lässt leider nur eine 180 mm Scheibe zu und das auch gerade auf den Millimeter genau, umso verwunderlicher das man dann auf eine mechanische BB7 zurückgreift. Bei längeren alpinen Abfahrten mit leichtem Gepäck kommen die Bremsen sehr schnell an ihre Grenzen. Die fordere Scheibe hatte bei einer Abfahrt Schaden genommen und es war Glück das nichts Größeres passiert ist. Daraufhin ließ ich die Bremsanlage umbauen auf eine hydraulische Shimano XT, 2K Bremsscheiben aus Shimanos XT Serie und am Hinterrad mit einer größeren Scheibe als im Original. An einem “Aufrecht-Rad” macht es vielleicht nicht so viel Sinn die hintere Scheibe zu vergrößern, beim Giro jedoch liegt auch beim Bremsen viel Gewicht auf dem Hinterrad.

Was mich auch zwiespältig macht ist der nach vorne zu klappende Lenker. Klar, es ist sehr bequem beim Absteigen den Lenker einfach nach vorn zu klappen, jedoch in kritischen Situationen auf plötzlich extrem schlechter Straße und dem kurzzeitigen Verlust der Kontrolle trägt der bewegliche Lenker nicht wirklich zur Entschärfung der Situation bei. Bin mir am Überlegen den arretierbaren Lenker nachzurüsten.

Optimal hingegen ist der Sitz. Die Hinterlüftung bei heißen Wetter genial, die dämpfenden Eigenschaften machen eine Federung wirklich verzichtbar und das zu 100% schmerzfreie Sitzen (Liegen) macht Freude. Die Kombination von Netzsitz und Schalensitz ist genial und perfekt. Bleibt zu hoffen das auch andere Hersteller dieser Idee folgen.

Fazit:


Die Entscheidung für das Bacchetta Giro 26 ATT war zwar nicht die vernünftigste, aber die für mich beste Entscheidung. Kein anderes Rad zuvor lockte mich immer wieder zum Fahren. Nach zwei Tagen Abstinenz tauchen schon Entzugs - Symptome auf. Touren mit dem Rad sind ein Genuss und das Erfolgserlebnis beim Überholen von um einiges jüngeren Rennradfahrern, unbezahlbar.

Ich würde es wieder kaufen! Lobenswert zu erwähnen bleibt noch der gute Kontakt und der immer perfekte Service meines Fachhändlers Radium in Konstanz, sowie der nette Kontakt zum General -Importeur für Bacchetta Peter Weiß in Ansbach.

Geplante Umbaumaßnahmen 2016:


Da der Bacchetta Rahmen auch mit 700c Felgen klarkommt, werde ich als Alternative auf diese 28” umsteigen. Ein wichtiger Grund dafür sind die Tubeless Reifen aus dem Rennradsport die mir neben höheren Fahrleistungen auch mehr Sicherheit bieten. Aber da wird noch ein wenig gespart, gibt es ja nicht im Sonderangebot …….




Einfach nur schön das Giro ........


Kommentare:

  1. Hallo Thomas

    Mit großem Interesse verfolge ich deine Berichte über das Bacchetta, da ich selbst gerade in der Findungsphase für ein Liegerad bin und daher dankbar jeden Hinweis für oder gegen das eine oder andere Modell in meinen Entscheidungsprozess aufnehme(Bacchetta Giro 26 ATT, Flux S 26 Comp und Alpentourer AT1 stehen momentan in der engeren Wahl).

    Gestatte mir ein paar Fragen:

    Wie gravierend waren die Probleme mit der mechanischen Scheibenbremse?
    Welche Vorzüge haben die hydraulischen Bremsen gegenüber den mechanischen?
    Welche Rahmengröße bei welcher Körpergröße fährst Du?
    Konntest Du den Umbau auf 700er Reifen bereits durchführen und wie sind deine Erfahrungen damit?

    Dank und Grüße,

    Matthias

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Thomas,

    Da ich auch ein Bacchetta Giro besitze, hätte ich gerne gewußt welchen Gepäckträger Du verbaut hast?

    AntwortenLöschen